ruppertstraße 28. wunderbare club-jahre.

warum in erinnerungen schwelgen, wenn man auch live dabei sein kann...

Ein Club schreibt Geschichte.

Und das ist in aller Bescheidenheit eigentlich auch ganz ernst gemeint. Denn kein anderer Münchner Live-Club hat bisher das kulturelle und soziale Leben der Landeshauptstadt so erfolgreich verändert und bereichert, wie das Substanz – und das seit fast 20 Jahren.

Während die Wiedervereinigung erst im Herbst 1990 die Republik aufrüttelte, ließen Club-Besitzer Jürgen Franke und sein Studienkollege Frank Bergmeier mit ihren legendären inoffiziellen Punk-Feten bereits Anfang 1990 einen Hauch von Change durch die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt wehen. Was dabei herauskam, war die Eröffnung des Substanz im Münchner Frühling am 10. März 1990. Seither genießt die Bar zu recht den Ruf des besten Alternativ-Clubs in town, mit ordentlichen Partys und einer Prise Anarchie – Image ist eben alles.

Seit Eröffnung haben mittlerweile über 700 Bands das Substanz beehrt. Den Anfang machten die Münchner Bands First Things First, No No Yes No und Evil Horde. Auch der erste internationale Live-Act ließ nicht lange auf sich warten – die US-Grunger Screaming Trees brachten am 12. März 1990 den Duft der großen weiten Welt ins Substanz. Und gäbe es da nicht das kleine Lärmschutzproblem – alle Konzerte im Substanz müssen meistens Punkt 22 Uhr beendet sein – es wären mit Sicherheit noch mehr Bands geworden! Acts wie Sportfreunde Stiller, Monster Magnet, Urge Overkill, Therapy? oder Jesus Lizard ließen sich aber Gott sei’s gepriesen nicht davon abhalten, hier so richtig zu rocken.

Für ein weiteres Stück Geschichte und kulturellen Highlights sorgte Schauspieler Ben Becker anlässlich seiner CD-Präsentation „Und lautlos fliegt der Kopf weg". Selbigen hätte er in München fast verloren, denn auf Bayern 3 warb er für seine Stippvisite im Substanz mit den Worten:„Bayern hat Staatstrauer. Franz Beckenbauer ist tot". Die besorgten Zuhörer reagierten unmittelbar und legten mit unzähligen Anrufen beinahe das Telefonsystem des Senders lahm.

Und wenn wir schon beim Thema Kultur sind, darf man auch eines der rockigsten Events des Clubs nicht vergessen – den Poetry Slam. Der literarische Kult-Abend, der jeden 2. Sonntag im Monat über die Bühne geht. Die ursprünglich in New York geborene Idee brachte der Zündfunker Karl Bruckmaier 1994 nach München. Seit 1996 leiten Rayl Patzak und Ko Bylanzky (Planet Slam) die Schlacht der Poesie und den Kampf der Wörter, Silben und Buchstaben.

Außerdem nicht zu vergessen The English Comedy Club von Dagmar Brocksema. Inspiriert durch Londons angesagte Stand-Up-Comedy-Szene präsentiert sie jeden 1. Sonntag im Monat Top Comedians von jenseits des Ärmelkanals und des großen Ozeans. Und das seit Ende 2004 mit durchschlagendem Erfolg. Prädikat: witzig, bissig und ohne jegliche Tabus – aber ausschließlich auf Englisch.

Ach ja, und dann wäre da noch eine der stärksten Säulen unserer Gesellschaft. Die, die uns eint, uns gemeinsam feiern, jubeln und weinen lässt und die im Substanz ein solides Fundament gefunden hat – König Fußball. Der Kampf ums runde Leder ist seit jeher eine feste Institution im Club und wird regelmäßig übertragen: alle Bundesliga- und Champions-League-Spiele der Münchner Teams werden gezeigt und sind wahre Kickerfeste im Substanz. Natürlich geht auch bei Europa- und Weltmeisterschaften der Beckenbauer ab. Und wer selber gern mal gegen den Ball tritt, meldet sich am Besten beim Substanz-Fußballteam oder probiert sein Glück an einem der Kicker.